Ulm, 05. August 2025
Net-Zero-Roadmap nach CSRD/ESRS: Klimatransitionspläne messbar gestalten
Die Net-Zero Roadmap – häufig auch als Klimatransitionsplan oder Übergangsplan zum Klimaschutz bezeichnet – ist im Kontext der CSRD und der ESRS ein zentraler Baustein, um Klimastrategien konkret, messbar und nachvollziehbar zu machen. Im Fokus steht dabei nicht nur ein Zielbild, sondern der belastbare Nachweis, wie ein Unternehmen seine Strategie, sein Geschäftsmodell und seine Investitionsentscheidungen mit dem Übergang zu einer klimaverträglichen Wirtschaft in Einklang bringt. In der Klimaberichterstattung nach ESRS E1 müssen Unternehmen darlegen, wie sie ihre Emissionen reduzieren und wie ihre Klimaziele und Maßnahmen zur Begrenzung der Erderwärmung kompatibel sind – oder transparent machen, wenn (noch) kein vollständiger Plan vorliegt.
Eine Net-Zero-Roadmap beschreibt die langfristige Strategie eines Unternehmens, seine Geschäftstätigkeit mit den Klimazielen des Pariser Abkommens auszurichten und die globale Erwärmung zu begrenzen. Unternehmen zeigen darin, welche Emissionen (Scope 1, 2 und – soweit wesentlich – Scope 3) anfallen, welche Ziele sie sich setzen und welche Maßnahmen umgesetzt werden, um diese Ziele zu erreichen. Der Plan verbindet damit Klimaziele mit operativer Umsetzung, Governance und Fortschrittsmessung.
Typische Inhalte einer Net-Zero-Roadmap sind:
- Emissionsbasisjahr, Bilanzierungslogik und wesentliche Emissionsquellen (inkl. Scope 3 Hotspots),
- kurz-, mittel- und langfristige Reduktionsziele
- Maßnahmenprogramme (inkl. Priorisierung, Zeitplan, Verantwortlichkeiten)
- Monitoring, KPIs und Management-Mechanismen zur Steuerung des Fortschritts
- wesentliche Annahmen und Abhängigkeiten (z. B. Technologieverfügbarkeit, Energiepreise, Lieferantenfähigkeit)
Besonders relevant ist die Anpassung emissionsintensiver Aktivitäten – etwa in Bereichen mit hohem Einsatz fossiler Energieträger oder prozessbedingten Emissionen. Ein belastbarer Plan adressiert daher neben Energieeffizienz und erneuerbaren Energien auch strukturelle Hebel wie Prozessumstellungen, Elektrifizierung, alternative Rohstoffe oder Produkt- und Portfoliotransformation. Der Anspruch lautet: Reduktion nicht „am Rand“, sondern in den Haupttreibern der Emissionsbilanz.
Finanzielle Unterlegung als Pflicht: Warum Net Zero Investitionen braucht
Eine Net-Zero-Roadmap benötigt eine klare finanzielle Komponente. Unternehmen müssen zeigen, dass die Umsetzung finanziell unterlegt ist – etwa über Investitionsprogramme, Modernisierung von Anlagen, Umstellung von Produktionsprozessen oder Qualifizierung von Mitarbeitenden. Hier spielt auch die EU-Taxonomie eine Rolle: Sie unterstützt dabei, Investitionen in nachhaltige Aktivitäten einzuordnen und Transparenz über die Ausrichtung von Capex/Opex herzustellen. Praktisch überzeugend wird ein Plan insbesondere dann, wenn er mit der Investitionsplanung, dem Risikomanagement und der Unternehmenssteuerung verbunden ist (z. B. Freigabeprozesse, interne CO₂-Preise, Transformations-OKRs)
Die Erstellung einer Net-Zero-Roadmap beginnt typischerweise mit einer Ist-Analyse der aktuellen Emissionen (Scope 1, 2 und 3), gefolgt von der Festlegung klarer, messbarer Ziele. Anschließend werden konkrete Maßnahmen definiert und eine Risikobetrachtung durchgeführt – sowohl hinsichtlich physischer Risiken (z. B. Extremwetter, Wasserstress) als auch Transitionsrisiken (z. B. Regulierung, Technologie- und Marktdruck). So entsteht ein Plan, der nicht nur berichtet, sondern die Resilienz des Geschäftsmodells stärkt.
Dekarbonisierungshebel: Die Wegbereiter auf dem Weg zu Netto-Null
Ein Klimatransitionsplan steht und fällt mit der Qualität der Dekarbonisierungshebel. Entscheidend ist, dass Unternehmen nicht nur Maßnahmen auflisten, sondern ein kohärentes Hebel-Portfolio entlang der größten Emissionstreiber entwickeln – mit klarer Wirkungskette, Verantwortlichkeiten und Umsetzungspfad.

Quelle: 3 Level Consulting GmbH
Roadmap und SBTi verknüpfen
Eine Net-Zero-Roadmap gewinnt erheblich an Glaubwürdigkeit, wenn die Zielarchitektur an anerkannten Standards ausgerichtet ist. Hier wird häufig die Science Based Targets initiative (SBTi) genutzt. SBTi bietet Unternehmen die Möglichkeit, Klimaziele wissenschaftsbasiert zu definieren und extern validieren zu lassen – ein relevanter Ankerpunkt für Stakeholder, Investoren und Kunden.
Typischerweise unterscheidet man:
- Commitment: öffentliche Selbstverpflichtung, innerhalb eines definierten Zeitrahmens wissenschaftsbasierte Ziele einzureichen (praktisch oft über ein Commitment-Schreiben).
- Near-term Targets und Net-Zero Targets: konkrete, prüffähige Zielsetzungen mit Reduktionspfaden, die die Roadmap operativ unterfüttern.
Wichtig ist die inhaltliche Verknüpfung: SBTi-Ziele sind kein Ersatz für die Net-Zero Roadmap, sondern deren „Zielgerüst“. Die Roadmap liefert dann den Umsetzungsplan, der die Ziele erreichbar macht – inklusive Dekarbonisierungshebeln, Capex-Logik, Governance und Monitoring. In der CSRD-/ESRS-Berichterstattung können SBTi-orientierte Ziele zudem helfen, die Konsistenz von Ambitionsniveau, Maßnahmen und Fortschrittsmessung überzeugend darzustellen.
Der Klimatransitionsplan ist nicht nur eine gesetzliche Verpflichtung, sondern bietet Unternehmen auch die Chance, langfristige Wettbewerbsvorteile zu erzielen, indem sie ihre Resilienz stärken und ihre Attraktivität für Investoren und Kunden erhöhen. Insgesamt zwingt die CSRD Unternehmen dazu, ihre Klimastrategien transparent und zukunftsorientiert zu gestalten, um einen aktiven Beitrag zum globalen Klimaschutz zu leisten.
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