Ulm, 22. Juli 2025
Scope 3 Emissionen: Die größte Herausforderung für Unternehmen in der THG-Bilanz
In der Diskussion um Klimaschutz und nachhaltiges Wirtschaften stehen häufig die direkt beeinflussbaren Emissionen eines Unternehmens im Vordergrund – die Scope-1- und Scope-2-Emissionen. Für eine belastbare Klimabilanz reicht dieser Blick jedoch meist nicht aus. In vielen Unternehmen liegt der größte Teil des Treibhausgas-Fußabdrucks in einer dritten, oft unterschätzten Kategorie: den Scope-3-Emissionen.
Sie umfassen alle indirekten Emissionen entlang der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette – von eingekauften Gütern und Dienstleistungen über Transport, Geschäftsreisen und Nutzung verkaufter Produkte bis hin zur Entsorgung. Gerade weil Scope 3 den größten Anteil am Gesamtfußabdruck ausmachen kann, entscheidet diese Kategorie häufig darüber, ob Klimaziele realistisch, nachvollziehbar und ambitioniert sind.
Die Einbindung von Scope 3 in die Klimastrategie erhöht die Aussagekraft der Bilanz erheblich und eröffnet zugleich die Möglichkeit, dort anzusetzen, wo Klimawirkung tatsächlich entsteht: bei Materialeinsatz, Lieferantenstrukturen, Produktdesign, Nutzungsphase und Kreislaufprozessen. Gleichzeitig ist Scope 3 die anspruchsvollste Dimension der THG-Bilanzierung. Die Emissionsquellen liegen überwiegend außerhalb der direkten operativen Kontrolle, Daten sind häufig fragmentiert oder fehlen vollständig, und Berechnungen basieren oft auf Emissionsfaktoren aus Datenbanken und Branchenreferenzen. Dadurch entstehen Unsicherheiten, hoher Aufwand und methodische Komplexität – insbesondere dann, wenn Unternehmen von groben Schätzungen zu prüffähigen, entscheidungsrelevanten Daten übergehen wollen.
Scope 3 Emissionen lassen sich in 15 verschiedene Kategorien unterteilen, von denen – abhängig vom Unternehmen – einzelne Kategorien wichtiger sind als andere.

Quelle: 3 Level Consulting GmbH
Wesentlichkeitsanalyse im Scope 3: Fokus auf die wichtigsten Kategorien
Mithilfe einer Relevanz- und Wesentlichkeitsbewertung nach dem international anerkannten Greenhouse Gas Protocol (GHG Protocol) können Unternehmen systematisch bestimmen, welche Scope-3-Kategorien für sie tatsächlich maßgeblich sind und wo die größten Hebel für Emissionsminderungen liegen. Dabei ist wichtig: Diese Wesentlichkeitsbewertung im Kontext der THG-Bilanzierung dient der Priorisierung von Scope 3-Kategorien und darf nicht mit der Doppelten Wesentlichkeitsanalyse (DMA) aus der CSRD-Berichterstattung verwechselt werden, die Auswirkungen, Risiken und Chancen aus Impact- und Financial-Perspektive adressiert.
Weiterführende Informationen zur Wesentlichkeitsbewertung nach CSRD finden Sie in unserem Blogpost „DMA: Doppelte Wesentlichkeitsanalyse“.
Sobald die prioritären Scope-3-Kategorien identifiziert sind, sollten Unternehmen diese methodisch konsistent bilanzieren, die Datengrundlage schrittweise verbessern (z. B. von Sekundär- zu Primärdaten) und darauf aufbauend gezielte Reduktionsprogramme umsetzen. Wirksame Maßnahmen umfassen unter anderem die Substitution emissionsintensiver Materialien, die Optimierung von Transportwegen und -modi, die Anpassung von Spezifikationen und Produktdesign (z. B. Leichtbau, Kreislauffähigkeit) sowie die Zusammenarbeit mit Lieferanten über gemeinsame Ziele, Anforderungen und Unterstützungsprogramme zur Emissionssenkung. Entscheidend ist eine enge, langfristig angelegte Kooperation entlang der Lieferkette
Welche Scope 3 Emissionen entstehen in Ihrer Wertschöpfungskette, und wie können Sie diese erfassen und reduzieren?
Für weitere Informationen schauen Sie unser Video an und kommen Sie mit uns ins persönliche Gespräch.