Ulm, 28. Januar 2026
Der VSME: Eine echte Alternative für KMU?
Mit der Entscheidung der EU vom 16.12.2025, den Kreis der verpflichtend nach CSRD berichtenden Unternehmen künftig auf sehr große Unternehmen zu begrenzen (> 1.000 Mitarbeitende und ≥ 450 Mio. € Umsatzerlöse), gewinnt freiwillige Nachhaltigkeitsberichterstattung für den Mittelstand wieder deutlich an Bedeutung.
Dies gilt sowohl als Differenzierungsmerkmal im Markt als auch als strukturierte Antwort auf wachsende Informationsanforderungen aus Lieferketten, Finanzierung und Kundenbeziehungen. Gleichzeitig schafft der speziell für KMU entwickelte Standard einen pragmatischen Rahmen, um die wichtigsten Nachhaltigkeitsinformationen auf Anfrage in einem einheitlichen, anerkannten Format an zentrale Stakeholder (z. B. Banken, Großkunden, Versicherer) weitergeben zu können.
Genau hier setzt der VSME-Standard (Voluntary Sustainability Reporting Standard for non-listed micro-, small- and medium-sized undertakings) an: Er bietet einen europaweit einheitlichen, freiwilligen Berichtsrahmen, mit dem KMU Nachhaltigkeitsinformationen strukturiert bereitstellen können – ohne die Komplexität der ESRS-Vollberichterstattung. Inhaltlich deckt der Standard Umwelt-, Sozial- und Governance-Themen („sustainability issues“) ab und ist so aufgebaut, dass Unternehmen je nach Bedarf schrittweise einsteigen können.
Inzwischen hat die EU-Kommission eine Empfehlung zur Nutzung des VSME-Standards veröffentlicht und damit ein klares Signal gesetzt. Parallel wird politisch diskutiert, Informationsanforderungen entlang der Wertschöpfungskette zu begrenzen („value-chain cap“) – als praktischer Schutz vor „Trickle-down“-Überforderung kleinerer Zulieferer, wobei der VSME-Standard als Referenzrahmen dient.
Für wen lohnt sich der VSME?
Ein VSME-Bericht lohnt sich besonders, wenn Ihr Unternehmen…
- … Zulieferer von CSRD-pflichtigen Unternehmen ist und ESG-Daten standardisiert liefern muss
- … bei Banken/Investoren häufiger Nachhaltigkeitskennzahlen (z. B. zu Energie, Emissionen, Arbeitsbedingungen) nachweisen muss
- … intern ein pragmatisches Steuerungsinstrument sucht, um ESG-Themen systematisch aufzubauen, ohne direkt in die ESRS-Komplexität einzusteigen.
Wichtig: Der VSME ist primär darauf ausgerichtet, „business counterparties“ zu informieren; eine Veröffentlichung ist möglich, aber keine zwingende Voraussetzung.
Aufbau und Idee des VSME-Standard
Der Standard ist modular aufgebaut: Basic Module (Basis) und Comprehensive Module (erweiternd).

Das Basismodul – die Mindestberichtsstandards
Im Basismodul berichten Unternehmen über B1 bis B11 und damit über allgemeine Angaben, Umwelt-, Sozial- und Governance-Kennzahlen. Typische Inhalte sind z. B.:
- Stammdaten & Berichtsgrundlage (B1): inkl. Rechtsform, NACE, Bilanzsumme, Umsatz, Mitarbeitendenzahl sowie Standort- bzw. Geo-Informationen.
- Energie & THG (B3): Gesamtenergieverbrauch und Scope-1/2-Emissionen (mit Verweis auf das GHG Protocol).
- Belegschaft (B8–B10): z. B. Beschäftigtenstruktur, Arbeitssicherheit, Vergütung/Weiterbildung.
- Business Conduct (B11): z. B. Verurteilungen und Bußgelder zu Korruption/Bestechung.
Das Comprehensive Modul – Bei Relevanz für wichtige Stakeholder
Das Comprehensive Module erweitert den Bericht um Angaben, die v. a. für Banken, Investoren und große Geschäftspartner relevant sind, um das Nachhaltigkeitsrisikoprofil besser einschätzen zu können. VSME Standard Es umfasst u. a.:
- Strategie & Geschäftsmodell (C1)
- vertiefte Praktiken/Policies (C2)
- Klimaziele & Transition (C3)
- Klimarisiken (C4)
Ein zentrales Prinzip: Viele Angaben folgen einem „if applicable“-Ansatz. Wenn eine Angabe nicht einschlägig ist und deshalb weggelassen wird, gilt sie als „nicht anwendbar“.
Unterschiede und Gemeinsamkeiten des VSME & ESRS
Der VSME-Standard ist der derzeit praxistauglichste „kleine Bruder“ der ESRS: modular, stakeholderorientiert und explizit darauf ausgelegt, KMU bei wiederkehrenden ESG-Abfragen zu entlasten – ohne völlig ins Beliebige abzurutschen. Durch die EU-Empfehlung gewinnt er zusätzlich an Relevanz und wird zunehmend zum gemeinsamen Nenner in der Lieferkette.
Methodisch ist der Unterschied besonders deutlich bei der Wesentlichkeit: Unter ESRS ist die Doppelte Wesentlichkeitsanalyse (Impact- und Financial Materiality) das zentrale Filter- und Begründungsinstrument für die Themenauswahl. Der VSME verlangt diese formale doppelte Wesentlichkeitsanalyse nicht, sondern setzt stärker auf pragmatische, standardisierte Kerninformationen und einen „if applicable“-Ansatz.
Auch der Umfang ist deutlich reduziert: Während ESRS sehr umfangreiche Offenlegungsanforderungen mit einer großen Zahl an Datenpunkten (etwa 1.200) und detaillierten Narrativen umfasst, bündelt der VSME die Berichterstattung in einem Basismodul mit Kernangaben und einem optional vertiefenden Modul – insgesamt etwa 100 Datenpunkte – also erheblich weniger und operativ leichter.
Schließlich unterscheidet sich die Prüfungspflicht: CSRD-Berichte unterliegen einer externen Prüfung/Assurance, während der VSME als freiwilliger Standard keine gesetzliche Prüfungspflicht auslöst. Gemein haben beide, dass Sie aus dem Füller der EFRAG stammen. Dies ist eine europäische Expertengruppe, die Standards und Leitlinien dafür entwickelt, wie Unternehmen über Nachhaltigkeit berichten.
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